Koellner-Kreativ
Kunst

Warum? Weshalb? Wieso?

Kunst schaut man nicht an, man lebt mit ihr
Pierre-Auguste Renoir

Dieses Zitat erneut zu schreiben macht mir besondere Freude, denn es trifft für mich absolut den Kern des Ganzen.

Ich persönlich empfinde es auf zwei Weisen:
Zum Ersten ist da das Gefühl, eine Leidenschaft, aus dem der Wunsch resultiert, mich eines bestimmten Themas annehmen zu müssen. Es folgt die Idee, diese Leidenschaft umzusetzen und zu erhalten.
Zum zweiten dann das fertige Werk in mein Leben mitzunehmen, in meinem persönlichen Umfeld zu haben, so dass es mich auf meinem Weg ein Stück begleitet.

Und nicht nur mich begleitet solch ein Werk. Da sind meine Freunde, mit denen das Teilen ganz besonderen Spaß macht. Es entwickelt sich aus dem Betrachten sehr häufig ein intensives Gespräch. Nicht nur das eigentliche Werk spielt dabei die Rolle sondern auch das Interesse an seiner Vorgeschichte.

Durch Ausstellungen kommt es dann einmal "vor die Tür" und das Leben damit schwingt (hoffentlich) weitere Kreise - räumlich gesehen und ebenso die gemeinsame Auseinandersetzung damit. Diese Webseite und die virtuelle Darstellung führt zu einem ähnlichen Effekt, kann allerdings die direkte Auseinandersetzung nur annähernd erreichen.

Oft fällt es schwer, mich von einem Gemälde zu trennen, was aber nicht heißt, dass ich dies nicht kann. Die Zeit ermöglicht es. Oder das Bewusstsein, von Vorneherein nur eine bestimmte Zeitspanne mit dem Bild verbringen zu wollen oder es für einen bestimmten Menschen geschaffen zu haben.

Diese Kolumne entsteht aus ebendiesem Grund: Kunst schaut man nicht an, man lebt mit ihr.



Zum Beispiel: Jacques Brel

Der Versuch einer Hommage

Jacques Brel

Wünsche und Träume

Auslöser für intensive Gespräche und Erlebnisse war zuletzt mein neustes Gemälde "Jacques Brel", welches ich nun vorstelle. Und nicht nur das Bild möchte ich Ihnen vorstellen. Ich möchte Sie teilhaben lassen an der Geschichte des Bildes und der wunderbaren Welt, die diesen intensiven Menschen umgab und heute noch umgibt.

Jacques Brel war mir seit Langem ein Begriff. Ich höre sehr gerne Chansons und Brel ist ganz gewiss einer der bedeutendsten, wenn nicht der bedeutendste Chansonnier aller Zeiten. Ich gehöre leider der Generation an, die nicht die Möglichkeit hatte, seine Zeit und seinen Einfluss direkt erlebt zu haben.

Seltsam ist hierbei die Tatsache, dass sich Brels Todestag ausgerechnet im Oktober des Jahres 2008 zum 30. Mal jährt - Genau in dem Jahr in dem ich sein Bild malte.

Aber die moderne Technik und besonders das Internet machen ja so vieles möglich.
So können wir ihn und seine Kunst uns erneut in Erinnerung rufen.

Etwas skurril empfinde ich beim Betrachten der alten Konzertaufnahmen die Welt der 60er Jahre. Das brave Publikum, das sich an der Intensität des Auftritts erfreut. Ich glaube, ich wäre geradezu ausgeflippt, hätte ich es live erleben dürfen.

Es gibt hier keine bunten Videoclips zu sehen. Kein Sternchen. Nichts Glitzerndes. Keine umwerfende Technik. Die musikalische Begleitung ist sehr gut, würde aber wohl heute das mit diversem Brimborium verwöhnte Publikum oft nur begrenzt erreichen.

Hier steht eigentlich "nur" einen Mann im Anzug, der ganz gewiss nicht dem herkömmlichen Schönheitsideal entspricht. Er rudert mit seinen zu langen Armen, gestikuliert. Sein Gesichtsausdruck zeigt seine Emotion. Keine "Rücksicht" darauf, nett oder medientauglich zu erscheinen. Aber er hat etwas zu sagen. Er hat sehr viel zu sagen.

Er nimmt sich inhaltlich den Themen seiner Zeit an. Viele Werte sind heute ebenfalls noch aktuell. Und wenn er über seine Gefühle singt, tut er das mit einer Leidenschaft, die uns nur nahe gehen kann. Er leidet mit, er LEBT es. Was bedeutet hier nun "aktuell"? Nichts kann aktueller sein.

Als einen Vertreter dieser art Kunst in unserer Zeit sehe ich persönlich nur Nick Cave. Diese beiden Männer zu vergleichen ist allerdings müßig und soll hier auch nicht zum Thema gemacht werden.

Nun aber wieder zurück zum eigentlichen Thema.


Jacques Brel

Die Erfüllung

Dass mich Jacques Brel wahnsinnig begeistert, brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen. Wie im oberen Teil meiner Ergüsse beschrieben, fesselte mich zuerst das Thema.

Zuerst sah ich mir Brels Konzertauftritte auf DVD an und machte Aufnahmen von bestimmten Augenblicken. Posen, Gesichtsausdrücke, die mir besonders gefielen. Speziell die Aufnahmen aus dem "Olympia", welche Sie durch die oben angezeigten Links nachvollziehen könen.Ich hatte die Idee, ein großformatiges Bild anzufertigen, auf dem beides vereint sein sollte. Meine Lieblingssequenzen stellte ich mit einem Bildbearbeitungsprogramm am Computer zusammen. Dies diente mir nun als Vorlage.

Da die Aufnahmen und nun auch meine Vorlage in schwarz/weiß gehalten waren, ich aber die Situation weitestgehend ins Heute verfrachten wollte, machte ich mir Gedanken über die Farbgestaltung.

Ich empfand bei der Musik Brels Blau- und Violett-Töne. Das genauer zu beschreiben, fällt schwer. Ich stellte mir die Scheinwerfer im Hintergrund vor und glaubte, dass diese Farben zum Gesamtausdruck passen, außerdem auch die Darstellung der Gesichtsfarben, die vielleicht in einem guten Gegensatz hierzu stehen würden.

Nun folgte die eigentliche Arbeit. Zuerst die Vorzeichnung, die grobe Farbgestaltung mit Acrylfarben. Intensiver wurde es dann mithilfe von Ölstiften, die zuerst mit Leinöl vermischt und flächig aufgetragen wurden. Darauf folgten einige Schichten Ölstifte in Zeichentechnik. Zum Schluss habe ich Ölfarbe in Spachteltechnik aufgetragen.

Ich kann nun aber wirklich nicht sagen, dass mich das Endergebnis völlig befriedigt. Wie kann es das auch? Ich sehe es als einen Moment meiner Gefühlswelt, meiner Verbindung zu diesem herausragenden Menschen, seiner Kunst und seiner eigenen Leidenschaftlichkeit. Die Maltechnik ist keinesfalls ausgereift, sogar recht schlecht. Heute würde ich es vielleicht anders machen, dies würde aber nichts ändern. So sollte es einfach sein.

Ich lebe mit dem Bild, ich sehe weiter Brels Konzerte auf DVD, höre seine Musik, teile die Erlebnisse mit Menschen, die dabei sein möchten…
Kunst schaut man nicht an, man lebt mit ihr.

Möchten Sie auch dabei sein?

Viel Vergnügen!
Ilona Köllner